Order 66 - Durch die Augen eines Kindes

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Ayara Kotum
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Registriert: Dienstag 15. März 2011, 21:20

Order 66 - Durch die Augen eines Kindes

Beitrag von Ayara Kotum »

Wie hat wohl ein Jüngling die Order 66 erlebt?
In dieser kleinen Geschichte habe ich versucht, es zu nachzuvollziehen, sofern man das kann.


„Jünglinge, kommt schnell“, erklang die Stimme von Jedi-Meisterin Shaak-Ti und ließ Sors Bandeam aufblicken. Er saß zusammen mit den anderen Jünglingen seines Clans in einer der hellen und freundlichen Meditationskammern des Jedi-Tempels. Grade hatte er einen zaghaften Versuch unternommen, sein Inneres Selbst mit der Macht zu verbinden. Auch wenn sie noch nicht völlig greifbar für ihn war, spürte er doch stets die Wärme, mit der sie ihn umgab. Sie gab ihm Sicherheit und Geborgenheit.
Zusammen mit seinen Freunden ging er der Meisterin entgegen, die am Eingang des Saals stand. Respektvoll blickte er zu ihr auf. Sie gehörte zum Hohen Rat, das wusste Sors und er wusste auch, dass nur die besten Jedi dorthin berufen wurden. Eines Tages würde auch er zu ihnen gehören, das hatte er sich fest vorgenommen. Bevor seine Gedanken jedoch in die Zukunft wanderten, besann er sich auf das hier und jetzt, wie Meister Yoda es ihnen so oft beigebracht hatte.

Die ehrwürdige Meisterin wirkte irgendwie besorgt. „Folgt mir und bleibt dich beisammen“, sagte sie eindringlich. Verwundert folgten die Jünglinge ihr. Liam, Sors‘ bester Freund arbeitete sich zu ihm vor. „Was glaubst du, ist passiert?“, fragte er. Sors konnte nur mit den Schultern zucken. Er wusste es auch nicht, doch er brannte darauf, es zu erfahren.
Schnell, fast schon gehetzt eilten die Jünglinge, allen voran Meisterin Shaak-Ti die Tempelgänge entlang.
Merkwürdige, unbekannte Geräusche drangen durch die Tempelmauern. Ein wenig klang es nach den Trainingsdroiden, wenn sie ihre Plasmastrahlen verschossen. Plötzlich zuckten die Kinder zusammen. „War das… war das ein Schrei?“, hörte Sors ein Mädchen vor sich flüstern hören. Das konnte er nicht glauben. Nicht hier im Tempel.

Hin und wieder sah Sors eine Gruppe Ritter oder Padawan vorbeieilen, teilweise mit aktivierten Lichtschwertern. In ihren Gesichtern fand er Besorgnis, manchmal sogar Angst. Das beunruhigte und verwirrte ihn. Jedi kannten doch keine Angst, oder etwa doch? Fast unmerklich ergriff Liam seine Hand. Sors spürte, dass er jetzt stark für seinen Freund sein musste. Er selbst fand Hoffnung und Zuversicht im Anblick Shaak-Tis. Die große Jedi-Meisterin mit ihrer gleißend blauen Klinge würde sie beschützen können, da war er sich ganz sicher. „Keine Sorge, niemand kann einen Jedi besiegen“, flüsterte er Liam mit Nachdruck zu. Tatsächlich schien dieser sich wieder etwas zu entspannen.
Doch dann bogen sie um eine Ecke und das, was die Jünglinge bisher nur in Form von gedämpften Tönen mitbekommen hatten, wurde nun schlagartig ihre Realität. Feuerrote Blasterstrahlen durchzuckten den Raum, abgefeuert von Menschen in weißen Rüstungen. Dazwischen stand eine Gruppe von Jedi, deren Lichtschwerter nur noch als Farbwirbel erkennbar waren. „Das sind Klontruppen“, flüsterte Sors aufgeregt, „Ich habe gehört, wie Meister Kenobi darüber gesprochen hat.“ Liam sah in fragend an und Mil’ba, ein Togrutamädchen vor ihnen drehte sich um. „Das kann nicht sein. Die Klone sind doch auf unserer Seite, oder?“ Sie sah verwirrt aus. „Vielleicht eine Übung“, mutmaßte Sors, doch dann stockte er.

Im Gang direkt vor ihnen hatte eins der Energiegeschosse sein Ziel gefunden. Vor den Augen der Jünglinge sackte ein älterer Jedi zu Boden und rührte sich nicht mehr. Eine grüne Klinge erlosch. „Nein!“ Der Schrei des Padawans, der an der Seite des Ritters gekämpft hatte durchzog die Luft wie einen sauberen Schnitt. Sors‘ Augen weiteten sich vor Entsetzen. Kurz darauf erlosch auch die blaue Klinge des Padawan und Sors blickte zum ersten Mal in seinem jungen Leben nicht nur dem Tod ins Gesicht, sondern auch in den Lauf eines Blastergewehrs. Unfähig sich zu bewegen blieb er stehen, wie das Kaninchen vor der Schlange.
Als die Klone das Feuer eröffneten, durchzuckte ein gleißender Lichtstrahl den Raum. Es war das Lichtschwert Shaak-Tis. „Lauft“, rief sie den Jünglingen zu, während sie ihre Klinge in komplizierten Wirbeln durch die Luft gleiten lies. Sors konnte sich immer noch nicht bewegen. Erst, als Liam am Ärmel seiner Tunika zog, war er in der Lage hinter den anderen Jünglingen her zu laufen. Er fühlte sich wie betäubt. Er konnte nicht begreifen, was geschehen war. Der Tempel war sicher, er war es immer gewesen. Schmerz, Leid und Tod, all das hatte der Jedi-Jüngling niemals kennengelernt, geschweige denn am eigenen Leib gespürt. Wenn die Klone Jedi töten konnten, was bedeutete das dann? Sors war noch nicht bereit, die Wahrheit dahinter zu begreifen. Weshalb griffen die Klone überhaupt an? Waren sie denn nicht Verbündete? So viele Fragen kreisten in seinem jungen Verstand und so wenige Antworten. Plötzlich hörte er seine innere Stimme. „Reiß dich zusammen, Sors. Du bist ein Jedi. Du wirst einen Ausweg finden. Niemand besiegt einen Jedi.“ Doch die Stimme war leiser als sonst. Kein Wunder, gerade war ihm äußerst brutal die letzte Illusion genommen worden. Eine zweite, boshafte Stimme erklang in seinem Bewusstsein: „Jedi sind sterblich. Wer kann euch jetzt noch helfen, wenn ihr euch doch nicht selber helfen könnt? Padawan, Ritter, selbst Meister sterben. Du bist doch bloß ein Jüngling.“ Und so sehr Sors sich auch bemühte, diese Stimme ließ nicht ab, die erste zu übertönen und sich hartnäckig in sein Herz zu pflanzen.

Als Sors seine Umgebung wieder bewusst wahrnahm, stand er mit den anderen Jünglingen am Eingang eines Aufzugschachts. Hinter sich hörte er noch immer die Geräusche des Kampfs. Das laute Kreischen der Blaster, das feine Sirren der Plasmaklingen, die Schreie der Toten, die Schreie der Lebenden. Er konnte nicht verhindern, dass ihm ein Schauer über den Rücken lief. „Meisterin Shaak-Ti, da ist Meisterin Shaak-Ti“, rief jemand und die ganze Schaar drehte sich um. Tatsächlich kam die Jedi-Meisterin den Gang entlang gelaufen, immer wieder Blasterschüsse abwehrend. Sors sah, wie einer der zuckenden Energieblitze seinen Urheber traf. Lautlos ging der Klon zu Boden. „Los, in den Aufzug“, rief Shaak-Ti, während sie immer näher kam. Vom Schock überwältigt, folgten die Kinder ihrer Anweisung. Dicht gedrängt standen sie in der kleinen Aufzugskabine. „Nach oben“, hörten sie die Stimme der Meisterin durch die sich schließende Kabinentür.
„Was machen wir denn jetzt? Was machen wir denn jetzt“, hörte Sors Liam vor sich hinmurmeln. Der Aufzug schoss nach oben. Hierher drangen keine Laute von außen, es gab nur die bedrückende Stille durchzogen von abgehackten Schluchzern. Auch wenn Sors es schaffte, sich zusammenzureißen, konnte er seine Freunde nicht dafür verurteilen, Jedi hin, Jedi her.

Zischend öffnete sich die Kabinentür wieder. Gegenüber konnte Sors eine große Tür erkennen. „Das ist der Ratssaal“, flüsterte Liam ehrfurchtsvoll. Sors musste schlucken, als er sah, dass sein Freund Recht hatte. Hier oben war es still, so still, dass Sors die Schlacht, die mehrere Stockwerke tiefer tobte, für einen Moment vergaß. Aber eben nur für einen Moment. Unsicher standen die Jünglinge im Flur und wussten nicht recht, was sie jetzt tun sollten. Sors war sich sicher, dass nicht nur er sich schrecklich fehl am Platz fühlte. Ein weiteres Zischen ließ ihn herumwirbeln. Die Lifttüren hatten sich erneut geöffnet und er blickte nun in das rote Gesicht Shaak-Tis. Erleichtert bemerkte er, dass die Jedi-Meisterin unverletzt war. Nur ihre Robe rauchte an einigen Stellen.
Mit raschen Schritten durchquerte die Togruta den Flur und öffnete die Tür zum Raatssaal. Mit Erschrecken stellte der Jüngling fest, dass der Meisterin die Ruhe zwar nicht völlig abhandengekommen war, doch sie schien nervös. „Versteckt euch hier, Jünglinge. Im Ratssaal seit ihr sicher“, sagte sie mit fester Stimme und die Jünglinge folgten ihr. Als sie sich zum Gehen wandte, schluchzte Ilia, die Jüngste des Clans: „Werdet Ihr nicht bei uns bleiben, Meisterin?“ Shaak-Ti drehte sich noch einmal um, ging zu ihr herüber und strich ihr leicht mit der Hand über den Kopf. „Hab keine Angst. Bald ist der Kampf vorbei und der Tempel wieder ein Ort des Friedens und des Lichts“, sagte sie ruhig. Doch Sors blickte in ihre Augen und sah Zweifel. Das machte ihm Angst. Schreckliche Angst. Mehr Angst noch, als das Sterben der Jedi mitanzusehen. Er behielt es für sich, weil er seine Freunde nicht noch mehr ängstigen wollte. Und da war wieder diese Stimme in seinem Kopf: „Du bist nur ein Jüngling. Was kannst du schon ausrichten?“ Er entschloss sich im Stillen, der Stimme das Gegenteil zu beweisen. Er würde überleben, sie alle würden überleben. Denn schließlich waren sie die Zukunft des Jedi-Ordens. Und eine Galaxis ohne Jedi-Orden konnte sich Sors nicht vorstellen.

Meisterin Shaak-Ti war gegangen und die Jünglinge allein. Trotz der Situation konnten die meisten nicht umhin, die stille Eleganz und die Anmut, die der Ratssaal verströmte, zu bewundern. „Hier muss der Platz von Meister Yoda sein“, hörte Sors jemanden ehrfürchtig flüstern. Er selbst stand an der Fensterwand und bestaunte den Ausblick. Ganz Coruscant konnte er von hier aus überblicken. Eines Tages würde er wieder hier stehen, wenn er einen Meister gefunden hatte. Der Jüngling wusste, dass es bis zu diesem Tag noch lange dauern würde, aber er konnte nicht umhin, sich darauf zu freuen. ‚Und irgendwann‘, dachte er entschlossen, ‚stehe ich als Meister des Rates hier und helfe, Frieden und Gerechtigkeit in der Galaxis zu verbreiten. ‘

Laute Geräusche holten ihn unsanft in die Wirklichkeit zurück. Diesmal zum Glück keine Schreie oder das Pfeifen eines Blasters. Dennoch versteckte sich Sors wie seine Freunde ängstlich hinter einem der Ratssessel. Als die Tür sich öffnete, traute er seinen Augen kaum. Da stand niemand geringeres als Anakin Skywalker. Jetzt würde alles wieder gut werden, der Auserwählte war gekommen, um sie zu retten. Voller Hoffnung und Freude, rannte er ihn zu. Die Tatsache, dass dieses Verhalten wahrscheinlich unangemessen war, ignorierte er. Auch, dass seine Freunde allesamt hinter ihm blieben, beachtete er nicht. Es fiel ihm nicht mal auf. „Meister Skywalker, es sind einfach viel zu viele. Was sollen wir jetzt nur tun?“, fragte er mit großen Augen. Anakin Skywalker, dem Auserwählten, dem Helden aller Geschichten, die im Tempel erzählt wurden, seinem großes Vorbild würde bestimmt etwas einfallen. Wahrscheinlich hatte er schon einen Plan. Auf seinem Gesicht war keine Verzweiflung zu lesen, sondern Entschlossenheit. Das machte Sors Mut, aber auch etwas Angst, von der er nicht genau wusste, woher sie kam. Meister Skywalker sagte nichts. Stattdessen aktivierte er sein Lichtschwert. Die blaue Klinge entwuchs dem Griff und ein unheilvolles Brummen erfüllte den Raum. Unwillkürlich wich Sors einen Schritt zurück. Er konnte die Augen nicht von Skywallker nehmen, der ihm nun immer näher kam. Und endlich, doch zu spät, bemerkte der Jüngling die Veränderung in den Augen des ehemaligen Jedi.

Das letzte, was Sors Bandeam in seinem Leben sah, war ein blauer Lichtstrahl. Das letzte, was er hörte, war ein wütender Schrei. Das letzte was er spürte, war sengende Hitze. Und selbst als sein kleiner Körper tot zu Boden fiel, hatte er noch nicht verstanden, was geschehen war. Die Stimme in seinem Kopf hatte recht behalten.

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Kira Chaqq
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Re: Order 66 - Durch die Augen eines Kindes

Beitrag von Kira Chaqq »

Auch hier nochmal, eine echt tolle Story.

Dazu aber mal eine ausführlichere Kritik:

Das Schöne an deinem Schreibstil ist, dass er natürlich wirkt und nicht gekünstelt ist. Er fließt natürlich und gleichmäßig, er wird durch nichts gestört, das heißt es kommen keine störenden Hindernisse vor, keine krampfhaften Umschreibungen usw.

Die Story ist schlicht, nicht ausschweifend und gerade diese Einfachheit macht sie so schön. Ebenso sind die Charaktere sehr schön und dezent ausgestaltet, ohne näher auf sie einzugehen.

Gut gemacht! :)

Alyna Assant
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Re: Order 66 - Durch die Augen eines Kindes

Beitrag von Alyna Assant »

Auch hier nochmal :doppel_daumen:

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